Zermatt Unplugged - Musicfestival 17.-21. April 2012

Tag 4: Was für ein Schweizer Tag!

Et enfin: Stephan Eicher, auf den seine Fans sehnsüchtig gewartet haben. Gänzlich unplugged im grossen, wunderbaren Festivalzelt mit unverkennbaren Stil-Mix-Akzenten von Heinz Julen – begnadeter Künstler, Zermatter mit Leib und Seele. Die Bühne hat Julen akkurat mit Cheminée-Holz unterlegt, die ersten Ränge mit Schaffellen belegt und vom Zeltdach baumelt sein immenser Neobarock-Stahl-Leuchter, zu dem auch Stephan Eichers Blick immer wieder hochging. 

„Je nái pas dámi comme toi“ rockte dieser gleich los – wir auch nicht, hätte das Publikum ihm am liebsten zugerufen. Richtig warm ums Herz wurde es den Schweizern alemannischer Zunge, als Eicher, in Münchenbuchsee bei Bern aufgewachsen, auf Berndeutsch zu parlieren begann. Etwa seinen „ungloublichen Reyn Ouwehand am Piano“ vorstellte, der mit seiner tatsächlich unglaublichen Virtuosität eine Klasse für sich war – und natürlich und vor allem zu Liedern aus der Heimat ansetzte. Das erstaunliche dabei: Bei Camapri Soda, Hemmige, Sisch äbe ne Mönsch uf Ärde sangen auch die zahlreich anwesenden Frankophonen mit. Eicher ist in Frankreich denn auch ein Superstar und hat seinen Wohnsitz vor geraumer Zeit in die französische Kapitale verlegt. An seinen stets ausverkauften Konzerten im Pariser Olympia sänge das Publikum ebenfalls jeweils wortwörtlich mit, war von französischer Seite zu vernehmen – „mögen die Wörter im Hals noch so kratzen.“

Das Publikum liess den polyglotten Eicher mit soliden Schweizer Wurzeln und Zigeuner-Seele nach seiner zweiten, fetzigen Zugabe „Déjeuner en paix“ nur ungern ziehen. Zum Glück gabs da noch ein zweites Heimspiel im Vernissage mit der formidablen Heidi Happy alias Priska Zemp, der Luzernerin aus dem ländlichen Dagmersellen – ausgesprochen „Da-mer-säuuue.

Längst ist die 30-Jährige nach ihrem Musikstudium in Amsterdam musikalisch und weltfräulich bestens unterfüttert. Noch immer aber spielt sie ironisch-witzig mit ihrer Herkunft – gestern Abend etwa trug sie eine rote Rüschenbluse und eine schwarze Bundfaltenhose aus den 80ern ganz nach dem Motto „Landfräulein geht hinaus in die grosse, weite (Zermatter Gletscher-) Welt und macht sich fein“. Welch ein Auftritt auch dieser. Singer-Songwriterin Heidi Happy verstand es zusammen mit Ephrem Lüchinger und diversen von beiden virtuos gespielten Instrumenten, die Zuhörer feinfühlig und subtil in ihre Welt mitzunehmen. Eine Welt, die manchmal alles andere als happy ist. Wohl deshalb waren die Zuhörer so tief berührt.

 

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