Zermatt Unplugged - Musicfestival 9.-13. April 2013

Samstag, 21. April 2012: Blaccs formidables Abtauchen in die Klassik und ein brillanter Cincotti

42 tolle Konzerte an fünf Tagen mit Künstlern von Neuseeland bis New York und vielversprechende hiesige Jungtalente: Der Gesangsmarathon am Fuss des Matterhorns neigte sich gestern unweigerlich dem  Ende zu, der furios war – davon aber später.

Zunächst einmal heizten „We invented Paris“ in luftigen 2888Metern Höhe auf der Holzterrasse der Blue Lounge ein. Dahinter stecken die zwei jungen Basler Flavian Graber (27)  und Bruce Klöti ( 25), die sich nicht abschrecken liessen vom bissig aufkommenden Höhenwind und ihr treu ausharrendes Publikum mit herzerwärmenden Songs betörten. Die beiden starteten ihr Projekt vor zwei Jahren auf übermütig jugendliche Art, „wir packten einfach unseren Bus voll und tourten quer durch Europa  – genauer von Stube zu Stube von Freunden und  Freundesfreunden“, so Flavian Graber  Auf Fortsetzung der Jungspund-Tour darf man gespannt sein.

Mehr als nur ein Dollar
Abends vor vollen Rängen dann im grössten Rundzelt der Schweiz Egbert Nathaniel Dawkins III, besser bekannt als Aloe Blacc. Der 33-Jährige präsentierte einen Stilmix von Klassik bis Blues. In smartem schwarzen Anzug und Chap trat er auf die Bühne, hinter ihm fünf Orchestermusiker.  Nach dezenten Violinklängen setzte Blaccs kräftige, soulige Stimme ein und zog das Publikum in seinen Bann, das relaxed zuhörte. Wunderbar die klassische Version seines  Hits I need a Dollar – ein Song zum Abtauchen, bevor Aloe Blacc die Kammermusiker mit seiner Band austauschte. Von diesem Moment an war kein Halten mehr: Die Zuschauer sprangen von den Stühlen und groovten mit. Blaccs tiefgründige Texte und coole Rhythmen liessen das Zelt erbeben.

Der Sohn panamischer Einwanderer begann seine Karriere 1995 in einer  Rap-Gruppe und zog mit seinen Hip-Hop-Künsten bald davon. Er hat den Rhythmus im Blut und begeisterte mit  seinem Sprechgesang auch in Zermatt. „You make me smile“, sang er ins Publikum, das zurücklächelte – zahlreiche Besucher waren einfach nur happy und lagen sich in den Armen.  

Cincottis Jazzclub in Zermatt
Und dann, zu später Stunde im Vernissage der furiose Schlusspunkt: Peter Cincotti aus New York, 29 Jahre jung, begeisterte sein Publikum mit vierköpfiger Band. Brillant am Piano, präzise die Einsätze, präsent zum Anfassen von der ersten Note an – Cincottis frisch-freche Songs und runde Arrangements gehörten zum Besten, was Zermatt dieser Tage unplugged zu hören bekam. Perfekt auch sein Auftritt in dunklem Anzug, schwarzen Lackschuhen und schmaler Krawatte, ein Trendsetter durch und durch. Man wähnte sich in einem Jazzclub in Manhattan; der italienisch-stämmige Cincotti tourte denn auch während dem Studium uptown an der Columbia in den Clubs downtown seiner Heimatstadt und schärfte alle musikalischen Sinne. Der Junge ist auch cineastisch begabt: In Spider-Man 2 spielte er den Pianisten im Planetarium, und für den Daniel-Radcliffe-Film December Boys sang er 2007 den Titelsong. Man hätte ihm gerne noch lange zugehört und zugeschaut, schon seinem umwerfenden, leicht irren Lächeln wegen.

Alles hat ein Ende, und so bleibt nichts anderes übrig, als Peter Cincottis wehmütigem Hit Goodbye Philadelphia nachzuhorchen. Doch das nächste Unplugged kommt bestimmt: Ab dem 9. April 2013 heisst´s wieder Welcome Zermatt.
 
 
 
   





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